Spirale des Schenkens
Es ist ein Teufelskreis, doch der Teufel hat ihn mit so netten Versuchungen ausgestattet, dass wir uns nicht beschweren können. Das Schenken ist ein Akt, bei dem immer zwei Seiten beteiligt sind. Meist findet eine Art Austausch statt: die eine Seite schenkt, die andere erwidert die Geste mit einer Gegengabe. In der Zwischenzeit, in der man auf die passende Gelegenheit zum Gegenschenk wartet, fühlt man sich in der Schuld. „Das wäre doch nicht nötig gewesen“, ist ein Hinweis darauf, dass man mit dieser Tatsache umgehen muss. Das ist auch der Grund, warum es vielen von uns schwerfällt bei Einladungen mit leeren Händen zu erscheinen. Wir möchten den Freunden etwas mitbringen, ein “Mitbringsel” eben, sei es ein Blumenstrauss oder eine Flasche Wein – wem das zu bieder ist, sucht nach einem ausgefallenen Präsent. Wenngleich einige diese Verpflichtung als Teil der Geschenkkultur begrüssen – vielleicht sogar der Kultur im weitesten Sinn – empfinden doch die meisten Menschen diesen Aspekt des Schenkens als unangenehm. Sie befürchten, dass das Schöne am Schenken verloren gehen könnte. Erwartungen erzeugen Druck und im Versuch sich davon frei zu machen, wird manch einer bisweilen zum gnadenlosen Geschenkverweigerer! Auf Zeit versteht sich…
Der Kabarettist Frank Goosen hat hierzu einen ziemlich typischen Dialog inszeniert:
ER: Ich finde, wir sollten uns dieses Jahr nichts schenken.
SIE : O Gott, er hat es gesagt. Du weißt genau, es funktioniert nicht. Das hatten wir uns schon mal vorgenommen und am heiligen Abend hatte ich tatsächlich nichts dabei. Du aber hattest mir ein Buch, ein paar Ohrringe, Seidenstrümpfe und einen sündhaft teuren Füller gekauft. Du warst beleidigt bis Mitte Januar, weil ich nichts für dich hatte.
ER : Das war aber auch instinktlos von dir. Solche Abmachungen trifft man doch nur, um sich nicht daran zu halten. Das ist ein kleines romantisches Spiel. Man sagt, man wolle sich nichts schenken und unter dem Tannenbaum überrascht man den Anderen dann, weil man den Anderen so gerne hat, dass man es tatsächlich nicht übers Herz gebracht hat, sich nichts zu schenken.”
Falls sie über den Dialog lächeln mussten, liegt es vielleicht am Wiedererkennungseffekt. Aber ist es nicht beruhigend? Sogar für “Geschenkverweigerer”? Wer aus dem Teufelskreis des Schenken ausbrechen will, tut es zum Preis seines Herzens, so oder ähnlich wäre zumindest die Moral der Geschichte. Aber sie hat ja keine! Weder Moral noch Pflicht, nur Geschenke: Ein unwiderstehlicher Drang Freude zu bereiten.
Hier den Comedy clip hochladen (kaufen): http://www.musicload.at/single/51079_4/frank-goosen/wir-schenken-uns-nichts/item.html
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